Aktive Seniorinnen und Senioren / Senioren-Kochbuch

Liebe Seniorinnen und Senioren.

Trotz Optimismus und grosser Freude auf ein baldiges Wiedersehen, müssen wir uns noch etwas gedulden. Da wir weniger soziale Kontakte haben, braucht es als Motivationsschub viel Fantasie und Innovationslust. Es gilt Neues auszuprobieren!
Wir ermutigen Sie deshalb, zusammen mit Ihrem Betreuerteam, ein Kochbuch mit feinen, aber einfachen Rezepten zu erstellen (Vorspeisen, Hauptgänge oder Desserts), welche vielleicht schon Ihre Grossmutter zubereitet hat. Bitte senden Sie bis zum 31. März 2021 Ihr Lieblingsrezept (auch handschriftlich, keine Kopien aus einem Kochbuch), an Liselotte Bloch, Bienenweg 4, 4105 Biel-Benken. Sollten wir genügend Zusendungen erhalten, werden wir ein Biel-Benkemer Senioren-Kochbuch erstellen und an alle, welche ein Rezept eingeschickt haben, gratis abgeben. Es kann auch sonst gegen einen kleinen Unkostenbeitrag zu gegebener Zeit bestellt werden.
Geschichten von Seniorinnen und Senioren
Das Betreuerteam möchte die Seniorinnen und Senioren ebenfalls ermutigen, während den Zeiten der eingeschränkten Kontaktpflege, sich schriftlich auszudrücken. Wir würden uns freuen, wenn wir von Ihnen Kurzgeschichten, welche Sie selbst verfasst haben, erhalten würden. Eine Bezugnahme zu Biel-Benken ist kein Muss, wäre aber wünschenswert. Nach Rücksprache mit Ihnen, werden wir jeweils eine Geschichte in den nächsten Ausgaben der Dorfzytig veröffentlichen.
Wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann senden Sie bitte Ihren Beitrag an: Markus Jenni, Therwilerstrasse 14, 4105 Biel-Benken. Das Betreuerteam sowie die Leserinnen und Leser würden sich auf spannende und unterhaltsame Erzählungen freuen.
Den Einstieg macht unser Teammitglied Rolf Kaufmann, auch ein Senior, mit der nachstehenden Geschichte:

Unliebsame Überraschung

Vor rund 20 Jahren war ich noch Verwalter einer Kirchgemeinde. An einem Sonntagabend kurz nach 16.00 Uhr füllte sich langsam aber stetig der Parkplatz unserer Kirche. Ein Konzert unseres Kirchenchors war angesagt. Plötzlich erschien eine beleibte, langhaarige Frau mittleren Alters. Sie ging mit schleppenden Schritten schräg über den Kirchenplatz und steuerte direkt auf unser Haus zu. Sie trug eine Vielzahl von Plastiksäcken mit sich und auf dem Rücken einen riesigen Rucksack. Sie läutete an der Haustüre und gleichzeitig klopfte sie unsanft und ungeduldig an die Haustüre. Ihre Plastiksäcke und das Reisegepäck verteilte sie grossräumig vor unserer Haustür. Unsere beiden Hunde bellten wie verrückt und sprangen am Fenster der Haustüre hoch. Die ersten Gäste auf dem Parkplatz, welche Richtung Konzert schritten, hielten einen Moment inne, schüttelten die Köpfe und fragten sich sicher, was da bei uns wohl los war. Als meine Kinder die Hunde zurück in die Wohnung zogen, öffnete ich die Tür und fragte die Dame nach dem Grund ihres Besuches. Sie sei mit dem Zug aus Spanien angereist, erklärte sie. Am nächsten Tag wolle sie weiter nach Deutschland, sei aber jetzt sehr müde und suche Platz für eine Übernachtung. Bei einem Mann der Kirche sollte das wohl möglich sein, meinte sie, drückte mich gleichzeitig auf die Seite und wollte, ohne zu fragen, bei uns eintreten. Ich schob sie sanft zurück, erklärte, dass eine Beherbergung bei uns aus diversen Gründen nicht möglich sei und gab ihr die Adresse eines günstigen Hotels. Sie schüttelte heftig den Kopf und zeigte zornig auf das Kirchgemeindehaus und ich antwortete ruhig, dass auch dieser Wunsch nicht erfüllbar sei, weil dort jetzt jeden Moment ein Konzert stattfinde. Sie drohte dann, sie würde sich demnach auf der Treppe vor dem Haus ausbreiten. Sie nahm eine Kerze aus dem Rucksack, zündete sie an und liess sich auf der Treppe vor unserem Haus nieder. Sie sang mit lauter Stimme Lieder aus der Heimat und begrüsste die ankommenden Gäste mit komischen Worten und Gebärden. Die Leute waren sichtlich irritiert. Nicht nur wegen des Empfangskomitees, sondern auch wegen der riesigen Anzahl Plastiksäcke vor unserer Haustüre. Zudem liessen sich unsere Hunde nicht beruhigen. So musste ich ein Machtwort sprechen. Ich ging zu ihr, sagte klar und deutlich, sie störe und könne hier nicht bleiben. Als ich drauf und dran war, die Polizei einzuschalten, zog sie mit ihren sieben Sachen von dannen.
Am frühen Montag dann, als ich mit den Hunden einen Kontrollrundgang um das Kirchgelände machte, hörte ich von weitem ein spanisches Lied, welches vom Garten herkam und wunderschön klang. Als ich um die Ecke kurvte, sah ich zuerst eine Vielzahl von weissen Plastiksäcken. Dann die Hängematte unserer Kinder, in welcher die fremde Frau von gestern lag, hin und her wippte, und mich verschmitzt anlachte.
Kind in Hängematte (Foto: Kirchgemeinde Biel-Benken): Bild zum Brief an die Senioren Kochbuch
Bild: 11-jähriges Mädchen aus Biel-Benken
Bereitgestellt: 18.02.2021    Besuche: 42 Monat